Mit der Komposition eines heiteren Operneinakters zur Weltausstellung 1937 wurde Bohuslav Martinů nicht rechtzeitig fertig. Und so dauerte es mehr als ein Vierteljahrhundert, ehe die Uraufführung von „Alexandre bis“ stattfand. Nun gibt es eine neue Urtext-Edition.
Bohuslav Martinů vollendete Alexandre bis am 8. März 1937 als sein letztes Bühnenwerk vor dem Krieg. Die Oper war ein Auftragswerk für die Expo 1937 in Paris, die vom 25. Mai bis zum 25. November 1937 stattfand und unter dem Motto „Kunst und Technik im modernen Leben“ stand.
Der Komponist erwähnt die neue Komposition erstmals in einem Brief an seine Familie vom 12. Januar 1937: „Sie haben mich auch gebeten, etwas für das Theater auf der Ausstellung beizusteuern, so dass ich wohl viel zu tun haben werde.“ Das Libretto zu „Alexandre bis“ stammt aus der Feder des französischen Autors und Journalisten André Wurmser, den Martinů wahrscheinlich durch Miloš Šafránek kennengelernt hatte. Wurmser selbst beschreibt die Umstände:
„Anlässlich der Weltausstellung 1937 wurden in den Pariser Theatern internationale Gastspiele vorbereitet. Ein tschechischer Diplomat – er hatte mir gerade geschrieben – rief mich an und sagte, dass ein Komponist aus seinem Land eine fröhliche Komposition schreiben wolle und nach einem passenden Libretto suche. Und so bekam ich Besuch von Bohuslav Martinů. Er sagte mir ganz offen, dass in dem Stück entweder eine singende Katze oder Pflanze vorkommen solle. Der kurze Text, den ich ihm anbieten konnte, enthielt nur ein gerahmtes Porträt, das sprach. Er gab sich damit zufrieden.“
Die Handlung der Oper wird durch einen Text eingeleitet, der im Almanach ouvrier et paysan von 1939 in Paris veröffentlicht wurde:
„Es war um 1900, als unsere Großmütter sangen. Herr Loubet war Präsident der Republik und trug einen Vollbart, ebenso wie Alexandre. Alexandre ist glücklich. Seine Frau Armande ebenfalls. Philomène, ihr Hausmädchen, nimmt das Leben, wie es kommt. Doch dann kommt Alexandre eine verrückte Idee in den Sinn.“
Das Spiel um Treue und Verführung nimmt seinen Lauf. Ein Porträt beginnt zu sprechen, und am Ende ist alles gut. Der witzige, parodistische Text steckt voller Wortspiele und Übertreibungen. Darin lässt André Wurmser das Hausmädchen Philomène neben Auszügen aus den Libretti berühmter komischer Opern Verse der französischen Dichter Paul Verlaine, Jean Racine, Félix Arvers und Charles Baudelaire zitieren.
Am 16. März 1937 schickte Martinů die Partitur an Henry Barraud, der als Musikbeauftragter der Expo fungierte und auch Mitglied des Generalkomitees der Ausstellung war. In dem beiliegenden Brief äußerte der Komponist seine Hoffnung, dass Barraud das Werk in der Comédie des Champs-Elysées aufführen lassen könnte, wo die Opernaufführungen der Expo stattfanden. Dies zeigt, dass Barraud die Oper bei Martinů in Auftrag gegeben hatte.
Anscheinend schaffte es Martinů nicht, die Oper rechtzeitig fertigzustellen (die Aufführungen der Opera buffa in der Comédie des Champs-Elysées fanden von Mitte Juni bis September 1937 statt), da sie während der Weltausstellung nicht aufgeführt wurde. Leider konnte nicht herausgefunden werden, wann die Werke in Auftrag gegeben wurden und wann die Komponisten ihre Partituren abgeben mussten.
Kurz nach ihrer Fertigstellung (1937 und 1938), als klar war, dass „Alexandre bis“ nicht in Paris aufgeführt werden würde, begann Martinů mit Karel Šebánek und dem tschechoslowakischen Verlag Melantrich über eine Produktion zu verhandeln. Die Idee war, sie zusammen mit zwei anderen Operneinaktern – Hlas lesa (Stimme des Waldes) H 243 und Veselohra na mostě (Komödie auf der Brücke) H 247 – aufzuführen.
Martinů verhandelte mit Adolf Heller, dem Leiter der Oper in Olmütz, über die Produktion, doch kam sie nie zustande. Die Oper wurde schließlich 1964 erstmals aufgeführt, nachdem das Werk bei Bärenreiter erschienen war (der Verlag veröffentlichte Partitur, Klavierauszug und Aufführungsmaterial). Die Uraufführung fand am 18. Februar 1964 im Nationaltheater Mannheim statt, gefolgt von der tschechoslowakischen Erstaufführung in Brünn am 22. Mai desselben Jahres. Diese beiden Aufführungen boten auch den Anlass zu einer deutschen Übersetzung von Kurt Honolka (die in der Partitur und im Klavierauszug abgedruckt wurde) und später zu einer tschechischen Übersetzung aus dem Deutschen von Eva Bezděková.
Rezensionen berichten, dass die Oper bei ihrer tschechoslowakischen Premiere sehr gut aufgenommen wurde. Seitdem war sie wiederholt im Repertoire tschechischer und ausländischer Theater zu finden. Die jüngste Aufführung fand im Mai 2024 in London im Susie Sainsbury Theatre statt, eine weitere Inszenierung ist für Juni 2026 in der Kammeroper des MusikTheaters an der Wien geplant.
Jitka Zichová
(aus [t]akte 1/2026)



