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Rauch und Flammen. Miroslav Srnkas neues Cellokonzert „Smoke“

Miroslav Srnka
Smoke for violoncello and orchestra (2025–2026)

Uraufführung: 10.12.2026, Tokyo (Suntory Hall),
NHK Symphony Orchestra, Leitung: Maxim Emelyanychev, Nicolas Altstaedt (Cello)

Besetzung: cello solo / 3,3,3,3 – 4,3,3,0 – perc(3) – pno, acc(2) – str (14,12,10,8,6)

Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten

Verlag: Bärenreiter-Verlag, BA11582, Aufführungsmaterial leihweise

Nach dem großen Erfolg von „Superorganisms“ in Tokyo haben das NHK Symphony Orchestra und eine Reihe anderer Orchester als Co-Commissioner Miroslav Srnka beauftragt, ein neues Cellokonzert zu komponieren. Im Wechselspiel von Solo-Cello und Orchester widmet er sich dem Phänomen Rauch.

Waldbrände, Hitze und Hitzewellen – die zunehmend extremen Auswirkungen des Klimawandels stellen Mensch und Natur vor enorme Herausforderungen. Diese Entwicklungen beschäftigen Miroslav Srnka intensiv und berühren ihn tief. Den entscheidenden Impuls für sein neues Cellokonzert „Smoke“ lieferten schließlich Satellitenaufnahmen der NASA, die unseren Planeten in seiner Gesamtheit zeigen. Auf ihnen sind die gewaltigen Rauchschwaden der Waldbrände deutlich zu erkennen – eindringliche Bilder, die gleichermaßen dokumentieren und mahnen.

Für Miroslav Srnka bildet die musikalische Idee den Ausgangspunkt, nicht eine erst im Nachhinein hergestellte politische Verbindung: „Mein Ansatz, Verbindungen zu den Themen meiner Stücke herzustellen, ist stets nach innen gerichtet: Ich suche nach strukturellen Konsequenzen für den Klang und nicht in erster Linie nach politischen Botschaften. Ich interessiere mich sehr für die Möglichkeiten musikalischer Strukturen. Mit den neuesten computergestützten Möglichkeiten scheinen diese wieder nahezu unbegrenzt zu sein.“ 
Der dem Stück zugrunde liegende Rauch übt eine strukturell äußerst interessante Wirkung aus, denn er macht den Wind und dessen Dynamik sichtbar. Der aus den Waldbränden entstehende Rauch ist faszinierende Naturgewalt und fließende räumliche Gestalt zugleich, die sich organisch im Laufe der Zeit bewegt und mit Kurven, Formen, Dichte und Geschwindigkeit spielt. All diese Parameter und Möglichkeiten stehen im Mittelpunkt von Miroslav Srnkas Musik. „Rauch kann als feine, kunstvoll geschwungene Linie entstehen, die sich aus dem ersten Funken erhebt. Er kann jedoch ebenso zu einer dichten, alles verschlingenden Masse anwachsen, die sich unaufhaltsam in alle Richtungen ausbreitet. In seinen Strömungen zeigen sich wiederkehrende Bewegungsmuster, die stets ähnliche Formen hervorbringen, ohne sich jemals exakt zu wiederholen“, so der Komponist.

In „Smoke“ verkörpert das Solo-Cello den Rauch, der den leuchtenden Klang des Orchesters verschleiert. So wie Rauch eine erste kleine Flamme ankündigen kann, die die vorherige Rauchschwade wieder verschlingt, so kann auch eine riesige Rauchwolke das gesamte Feuer verschlingen. Sie verschlingen sich gegenseitig, sowohl langfristig als auch kurzfristig. Auf diese Weise initiiert das Soloinstrument den Orchesterklang und verliert sich zugleich im Verlauf des gesamten Stücks zunehmend in dessen klanglicher Dichte und Leuchtkraft.
Das Stück durchläuft drei verschiedene Zyklen des Entstehens und Vergehens, indem es diese einzigartigen Eigenschaften des Rauchs klanglich widerspiegelt. Die Strukturen selbst wandeln sich so extrem und so weit, dass sie schließlich zu bloßem Rauschen werden, so wie sich Rauch einfach in der Farbe des Hintergrunds auflösen kann. Dieser Kreislauf aus Rauch und Flammen scheint nun für absehbare Zukunft nahezu ununterbrochen anzudauern.

Die Uraufführung in Japan findet dabei anlässlich des 100-jährigen Bestehens des NHK Symphony Orchestra statt, es folgen weitere Aufführungen, unter anderem in Prag, mit der Tschechischen Philharmonie unter Leitung von Jakub Hrůša.

Miroslav Srnka / Tessa Singer
(aus [t]akte 2/2026)

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