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Musikalische Heiligenscheine. Jonathan Harveys „Passion and Resurrection”

Jonathan Harvey
Passion und Auferstehung
10., 11., 23., 24. 7./6., 7. und 27.8.2009 Stiftskirche Ossiach (Carinthischer Sommer)
Libretto von Michael Wadsworth nach Texten mittelalterlicher Kirchendramen der Benediktiner (Übersetzung von Petra Haiderer und Thomas Daniel Schlee)
günter Haumer (Jesus), Alexander Kaimbacher (Pilatus), Elena Copons (Maria Magdalena), Arnold Schönberg Chor, Camerata Salzburg, Musikalische Leitung: Erwin Ortner, Regie: Paul Flieder

Photo: Stiftskirche Ossiach

Pünktlich zum siebzigsten Geburtstag von Jonathan Harvey wird eines seiner großen Werke aufgeführt: Die Kirchenoper Passion and Resurrection ist wie seine mittelalterlichen Vorgänger eine musikalische Form der Gottesverehrung – und schließt auch die Gemeinde mit ein. 

Passion und Auferstehung

Im Mai 2009 feiert der britische Komponist Jonathan Harvey seinen siebzigsten Geburtstag. Eines der Hauptereignisse steht in diesem Jahr beim Carinthischen Sommer im österreichischen Ossiach auf dem Programm: Im Juli und August 2009 wird dort Harveys mittelalterlich-benediktinische Kirchenoper Passion and Resurrection aus dem Jahr 1981 gleich sieben Mal aufgeführt. Jonathan Harvey selbst beschreibt sein Werk so:

Ich habe zwei mittelalterliche benediktinische Kirchspiele in lateinischer Sprache verwendet, die aus der Liturgie (in diesem Fall der Eucharistiefeier) hervorgegangen sind. Damit möchte ich die ursprüngliche Praxis des westlichen Theaters wiederbeleben. „Tut dies zu meinem Gedächtnis.” Das Publikum oder die Gemeinde können die Kirchenlieder „Sing My Soul” und „The Royal Banners”, auf denen das musikalische Gerüst aufbaut, mitsingen. Dadurch können die liturgischen Züge des Werks gegenüber den opernhaften besonders hervorgehoben werden.

Die ersten elf Szenen sind durchweg in ernstem, gesanglichen Stil gehalten. Jeder Charakter wird von einem musikalischen Heiligenschein begleitet, der durch seine Strahlkraft die Heiligkeit des Trägers anzeigt. Instrumentale Zwischenspiele trennen die Szenen vonein-ander ab. Vor der zwölften Szene, die von der Auferstehung handelt, bekommt ein Zwischenspiel symphonische Ausmaße, wenn die Kreuzigung dargestellt wird.

Die Szene der Auferstehung am Ende stellt ein musikalisches Erblühen des Stils in der vorangegangenen Szene dar, in der die unvermeidliche und schreckliche Abfolge der Ereignisse bis zur Kreuzigung geschildert wurde. Herbe, dunkle, vom Bösen beherrschte Musik hier, blumige, helle, weiblich dominierte Musik dort. Auch die Instrumentation spiegelt diese Teilung wider, (unter anderem) mit Tuba, zwei Posaunen und zwei Kontrabässen auf der einen Seite, und Trompete, sieben Solo-Violinen und Bratsche auf der anderen.

(Übersetzung: Felix Werthschulte)
aus: [t]akte 1/2009

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