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Telemann in Hamburg. Zwei geschichtsträchtige Opern in Neueditionen

Georg Philipp Telemann
Sieg der Schönheit.
Singspiel in drei Akten TVWV 21:10. Braunschweiger Bearbeitung – Ariensammlung. Musikalische Werke, Band 42. Hrsg. von Wolfgang Hirschmann
Personen: Eudoxia (Sopran), Placidia (Sopran), Pulcheria (Sopran), Melite (Sopran), Olybrius (Bariton), Gensericus (Bass), Honoricus (Mezzosopran), Helmiges (Tenor), Trasimundus (Bass), Turpino (Bariton), Coro (SATB)
Orchester: Tromba in D I, II, III, Timpani in D/A, Corno da caccia in Es, F, G I, II, Flauto piccolo I, II, Flauto dolce I, II, Flauto traverso I, II, Chalumeau I, II, Oboe I, II, Oboe d’amore I, II, Fagotti, Violino I, II, Viola, Basso continuo (Violoncelli, Fagotti, Cembalo, Contrabbassi)

Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I., König von England.
Singspiel in drei Akten TVWV 22:8. Musikalische Werke, Band 46. Hrsg. von Steffen Voss
Erstaufführung nach der Neuausgabe: 17. Juni 2009, Bachfest Leipzig, Kultur-Gut Ermlitz, Merseburger Hofmusik, Musikal. Leitung: Michael Schönheit, Inszenierung: Andreas Baumann
Personen: Richardus (Bariton), Berengera (Sopran), Philippus (Mezzosopran), Isacius (Bass), Formosa (Mezzosopran), Orontes (Mezzosopran), Gelasius (Alt), Murmilla (Mezzosopran)
Orchester: Corno da caccia I, II, Flauto piccolo I, II, Flauto dolce I, II, Flauto traverso I, II, Oboe I, II, Fagotto, Violino I, II, Viola, Basso continuo
Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmaterial leihweise

Bild oben: Die Vandalen plündern Rom. Gemälde von Heinrich Leutemann (1824–1904)

Am Hamburger Gänsemarkt feierte Telemann mit Der Sieg der Schönheit seinen erfolgreichen Einstand, an den er wenig später mit seiner Händel-Adaption Richardus I. anknüpfen konnte. Verwickelte Liebesgeschichten waren damals beliebt, egal ob sie im Alten Rom spielten oder zur Zeit der Kreuzzüge.

„Sieg der Schönheit” 

Telemanns erste in Hamburg komponierte Oper erlebte im Juli 1722 ihre Uraufführung. Das Libretto Christian Heinrich Postels aus dem Jahr 1693 hatte er dafür behutsam an die Erfordernisse seiner modernen Musik angepasst. Die Oper hatte großen Erfolg – bis 1735 wurde sie in Hamburg immer wieder aufgeführt, in Braunschweig kam das Werk von 1725 bis 1732 mehrmals auf die Bühne. Ort der Handlung ist Rom im Jahr 455. Die Sieger im Krieg wollen nun auch in persönlichen Beziehungen triumphieren; die Staatsaktion wird individuell gewendet.

Aus unterschiedlichen Lebensvorstellungen und Begriffen entwickeln sich die Konflikte. Gensericus will sich bald mit der scheinbar besiegten Eudoxia verbinden, seine Liebe und Ehe ablehnender Sohn Honoricus soll sich mit ihrer Tochter Pulcheria, die sich ihm in Männerkleidern nähert, verheiraten. Ihre Schwester Placidia ist ihrem Verlobten Olybrius standhaft treu, doch hält dieser dem Druck des Siegers Helmiges, der sich in sie verliebt hat, anfänglich nicht stand. Jede Figur hat für sie bedrohliche Situationen zu überstehen – jede verändert sich dabei und kommt in der Annäherung an den Partner auch sich selbst näher. Turpino, der lustige Diener des Honoricus, kontrastiert kommentierend das Geschehen und das Theore­tisieren der Helden. Telemann beschreibt in den formenreichen, angemessen und feinsinnig instrumentierten Arien und Duetten das ganze Spektrum seelischer Zustände.

„Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I.”

Die 1729 aufgeführte Oper Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I. ist die Hamburger Adaption von Georg Friedrich Händels Melodramma Riccardo I. HWV 23. Auf der Grundlage der Londoner Bearbeitung eines italienischen Librettos schuf Christoph Gottlieb Wend ein den Hamburger Ansprüchen genügendes deutsch­sprachiges Libretto. Er verbesserte den dramaturgischen Verlauf, akzentuierte einzelne Figuren anders, veränderte die Sicht auf die Handlung und die Handelnden. Und er integrierte eine diskursorientierte komische Nebenhandlung zwischen dem Philo­sophen Gelasius und der Amme Murmilla.

Aufgegriffen wird eine Begebenheit aus der Zeit der Kreuzzüge. Der englische König Richard I. will sich auf Zypern verheiraten. Doch verliebt sich der tyrannische zyprische Herrscher Isacius in sie und stellt Richar­dus stattdessen seine Tochter Formosa als die versprochene Braut Berengera vor. Formosa jedoch will ihrem Verlobten Orontes treu bleiben – wie auch Berengera Richardus. Nach einigen Verwicklungen wird Isacius überführt und die beiden Paare können zusammenbleiben.

Neben Händels großartigen Arien stehen Telemanns deutschsprachige Rezitative, einige neu komponierte Arien sowie die neue Nebenhandlung. Diese Konfrontation erzeugt einen ungemeinen ästhetischen Reiz, dem man sich nicht entziehen kann.                 

Ute Poetzsch
aus: [t]akte 1/2009

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Gesamtausgaben

Kaum bekannte Händel-Anthems
Eindringlich und verdichtet. Zur Neuedition von Franz Schuberts Messe in G
Dramatische und psychologischer Intensität. Jean-Baptiste Lullys Oper „Psyché“
Glucks Ballettmusik zu „L’Île de Merlin“
Astrale Zwillingsliebe. Die erste Fassung von Rameaus Oper „Castor et Pollux“
Ägypten in Fontainebleau. Jean-Philippe Rameaus Oper „La Naissance d’Osiris"
Dramatisch wirksam. Franz Schuberts Werke für Musiktheater
„Most agreeable“. Ein Bauernsohn ist Held in Händels „Giustino“
Von London nach Braunschweig: Händels Oper „Siroe“
Die Rekonstruktion von Rameaus „Io“ für die „Opera omnia Rameau“
Die Neapolitaner waren erstaunt. Glucks „La clemenza di Tito“
Der milde Eroberer. Händels Oper „Scipione“ in der „Hallischen Händel-Ausgabe“
Meilensteine in der Neuen Anton Bruckner Gesamtausgabe
Gabriel Fauré und das Orchester. Neubewertung zum 100. Todestag 2024
Raffiniert orchestriert. Jean-Philippe Rameaus Oper „Castor et Pollux“
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