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Kaum bekannte Händel-Anthems

Georg Friedrich Händel
Anthem on the Peace HWV 266 (267), Foundling Hospital Anthem HWV 268. Hrsg. von Stephan Blaut. Hallische Händel-Ausgabe III/14

Besetzung HWV 266 (267): Soli: S,A1,A2,T,B, Chor: S,A1,A2,T,B, Orchester: 2,2,0,0 – 2,0,0,0 – Pk – Str – B. c.

Besetzung HWV 268: Soli: S1,S2,A,T, Chor: S1,S2,A, T,B, Orchester: 0,2,0,0 – 2,0,0,0 – Pk – Str – B. c.

Verlag: Bärenreiter, BA10733-01, Dirigierpartituren (BA10266, BA10267) und Aufführungsmaterial käuflich

Abbildung: Das Foundling Hospital in London. Radierung von 1749

Georg Friedrich Händels zwei letzte Anthems sind vollständig in einer kritischen Edition der Hallischen Händel-Ausgabe erschienen und ermöglichen nun Aufführungen auf gesicherter Grundlage.

Der kürzlich in der „Hallischen Händel-Ausgabe“ erschienene 14. Band der Serie III – es ist der 100. Band der Gesamtausgabe – enthält Händels letzte Werke der für die englische Kirchenmusik so typischen Gattung des Anthems: das im Frühjahr 1749 komponierte „Anthem on the Peace“ HWV 266 (267) und das kurz darauf entstandene „Foundling Hospital Anthem“ HWV 268. Obwohl für verschiedene Anlässe geschaffen – HWV 266 für den am 25. April in London in der Chapel Royal anlässlich des Friedens von Aachen gehaltenen Dankgottesdienst und HWV 268 für das erste Benefizkonzert in der Kapelle des Foundling Hospitals –, stehen die Werke wegen ihres religiösen Gehalts, ihres Aufbaus und der musikalischen Form ihrer Chorsätze sowie der Übernahmen bedeutsamer Musik aus „Messiah“ einander nahe.

Beide Anthems sind selbst bei Händel-Kennern kaum bekannt und wurden  nur äußerst selten gespielt, u. a. wohl deshalb, weil geeignetes Aufführungsmaterial fehlte. Der HHA-Band III/14 schafft hier Abhilfe: Er bietet zuerst die vier Sätze des „Peace Anthems“ und im Anhang eine Frühfassung des Eingangssatzes „How beautiful are the feet“ (HWV 266, Nr. F1), die im Werkverzeichnis irrtümlich als eigenständiges Werk mit der HWV-Nummer 267 verzeichnet ist. Zwar fehlen im Autograph dieser Frühfassung die Instrumentalstimmen in den letzten 15 Takten (ausgenommen die Bassi), doch ermöglicht die Wiedergabe der vollständig rekonstruierten Musik der Schlusstakte nun auch die Aufführung dieses reizvollen, noch nie erklungenen Satzes.

Das Hospital for the Maintenance and Education of Exposed and Deserted Young Children (Heim zur Betreuung und Erziehung ausgesetzter und verlassener junger Kinder – gewöhnlich kurz „Foundling Hospital“ genannt) wurde mit königlicher Erlaubnis 1739 gegründet, nachdem sich zuvor der Kapitän und Geschäftsmann Thomas Coram (1668–1751) jahrelang für die Schaffung einer derartigen Institution in London eingesetzt hatte. In den 1740er-Jahren entstand eine Anlage mit zwei separaten und parallel zueinander stehenden Gebäuden (einer für Jungen, der andere für Mädchen), deren hintere Schmalseiten ab ca. 1748 durch den Bau einer Kapelle verbunden wurden. Am 4. Mai 1749 hatte Händel an einer Vorstandssitzung des Waisenhauses teilgenommen, in der er ein Benefizkonzert zugunsten der noch fehlenden Inneneinrichtung der Kapelle in Aussicht stellte. Das Konzert fand dort am 27. Mai im Beisein des Prinzen und der Prinzessin von Wales sowie anderer hochrangiger Persönlichkeiten statt, erregte Zeitungsberichten zufolge größte Zufriedenheit und war auch finanziell ein Erfolg. Händel hatte es mit den zwei Werken eröffnet, die er kurz zuvor für die Feierlichkeiten zum Aachener Frieden komponiert hatte: der „Feuerwerksmusik“ HWV 351 und dem „Peace Anthem“. Es folgten herausragende Arien und Chorsätze aus seinem nur wenige Wochen zuvor uraufgeführten Oratorium Solomon HWV 67 und zum Schluss die vier Chöre des neuen „Foundling Hospital Anthems“ mit Texten aus der „King James Bible“ und dem „Book of Common Prayer“, die dem Anliegen der wohltätigen Einrichtung und ihrer Förderer entsprachen.

Die Leitung des Hospitals plante die offizielle Eröffnung der fertiggestellten Waisenhaus-Kapelle bereits für Anfang Mai 1750, verschob jedoch den Termin in der folgenden Zeit immer wieder. Händel begann mit der Überarbeitung des „Foundling Hospital Anthems“ im Frühjahr oder Sommer 1751, vermutlich weil er glaubte, dass die Eröffnung der Kapelle nun unmittelbar bevorstehe. Auf alle Fälle muss er die Revision abgeschlossen haben, bevor er im Sommer 1752 sein Augenlicht verlor. Die zweite Fassung von HWV 268, die schließlich am 16. April 1753 von John Christopher Smith im Beisein Händels aufgeführt wurde, ist weit umfangreicher als die erste von 1749. Die ursprüngliche Anzahl der Sätze hatte Händel durch den Einschub einer Tenorarie vor Nr. 1, einer Altarie zwischen Nr. 1 und 2 sowie eines Duetts für zwei Soprane zwischen Nr. 3 und 4 vergrößert. Die zwei Fassungen von 1749 und 1753 sind im HHA-Band III/14 vollständig und voneinander unabhängig abgedruckt; die ursprüngliche Fassung wartet noch auf eine Wiederaufführung.

Stephan Blaut
(aus [t]akte 1/2026)

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