Logo: takte
Das Bärenreiter Magazin
  • Portrait
  • Musiktheater
  • Orchester
  • Zeitg. Musik
  • Gesamtausgaben
  • Publikationen
  • Termine
  • Kontakt

English switch to english

Inspirationen. Neues vom Komponisten des französischen Verlags Editions Henry Lemoine

Bild: Einer von fünf erfolreichen französischen Komponisten: Michaël Lévinas. (Photo: C. Daguet/Editions Henry Lemoine)

Seit einigen Jahren schon holt sich Hugues Dufourt Anregungen für einen Teil seiner Kompositionen aus der Malerei. So beziehen sich die vier Orchesterstücke in seinem Zyklus Les Hivers (1992–2001) auf Titel von vier Gemälden: „Le Déluge d’après Poussin”, „Le Philosophe d’après Rembrandt”, „Les Chasseurs dans la neige d’après Bruegel” und „La Gondole sur la lagune d’après Guardi” (auf CD im Schuber unter dem Titel Les Hivers bei Aeon, AECD0209).

2005 kam bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik das Stück L’Afrique d’après Tiepolo für Klavier und Instrumentalensemble zur Uraufführung, und 2009 wird das Wittener Publikum die Uraufführung von L’Asie d’après Tiepolo erleben können. Die Anregung für dieses Diptychon gab ein Fresko, das der große venezianische Maler zwischen 1750 und 1753 für die neue Residenz des Fürstbischofs in Würzburg schuf.

Ebenfalls in Witten wird die deutsche Erstaufführung von Dufourts erstem Streichquartett Dawn Flight stattfinden, das 2008 beim Musica-Festival in Straßburg uraufgeführt wurde und einem ganz anderen Klangbereich angehört. Es handelt sich um eine musikalische „Ekphrasis” (die Beschreibung eines künstlerischen Werks mit den Mitteln einer anderen Kunstform), denn es ist Dufourt hier gelungen, tief in die bewegte, äußerst expressive Bilderwelt von Stanley Hayter einzudringen. Der Komponist ließ sich dabei von einer Druckgraphik anregen, deren Vorlage heute nicht mehr existiert, und schuf eine musikalische Form, in der die Kontraste zwischen ruhiger Statik und heftiger Bewegung bis zum Äußersten gehen können.

Eine andere Art „Klangmalerei” durchzieht die verschiedenen, Anfang dieses Jahres bei den Editions Henry Lemoine herausgekommenen Werke für Orchester. Michaël Lévinas zum Beispiel geht weiterhin seinem Interesse für die „Klangfarben-Polyphonie” nach, bei der sich verschiedene Tempi überlagern, was zu komplexen harmonischen Abläufen und Vermischungen führt (und zu der möglichen Wahrnehmung des Bildes eines verschwimmenden Objekts): So in Evanoui, zu hören am 6. März 2009 in der Maison de Radio France, Paris, mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter der Leitung von Pascal Rophé. Und Jean-Marc Singier setzt in seiner Komposition Flux auf vergleichbare Weise „Orchesterströme” übereinander. Das Werk kam am 14. Februar im Arsenal de Metz im Rahmen des Festival Présences zur Aufführung.

Wieder einen anderen Weg beschreitet Bruno Mantovani, indem er dem berühmten Küchenchef Ferran Adrìa und seiner Küche im Restaurant „El Bulli” ein musikalisches Porträt widmet, wobei ihm als Vorlage die Speisekarte diente. Das Orchestre de Paris bringt Le Livre des illusions am 11. Juni 2009 in der Salle Pleyel in Paris zur Uraufführung. Bereits am 6. März fand die Uraufführung von Mantovanis Concerto pour deux altos statt.

Michael Jarrell hat eine Vielzahl neuer Werke vorzuweisen, von denen vor allem Le ciel, tout à l’heure si limpide, soudain se couvre horriblement genannt sei. Der Titel dieses Werks, das am 20. April 2009 in Genf vom Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Marek Janowski erstmals zum Klingen gebracht wird, ist der lateinischen Poesie entlehnt, analog zu anderen von der Literatur inspirierten Stücken Jarrells wie Chaque jour n’est qu’une trêve entre deux nuits … chaque nuit n’est qu’une trêve entre deux jours (Assonance V für Violoncello und vier Instrumentalensembles), Droben schmettert ein greller Stein (für Kontrabass, Ensemble und Elektronik), …d’ombres lointaines… (für Mezzosopran und großes Orchester) oder Un long fracas somptueux de rapide céleste (für Schlagwerk und Orchester). Jeder dieser Titel ist Ausdruck einer Eingebung, durch die ein Musikstück die Bedeutung einer existenziellen Lektüre erlangt („das Leben ist in der Literatur ist in der Musik”). Jedes dieser Stücke ist eine Nachlese, um auf den Titel eines geplanten Kammermusikzyklus für Violine und Violoncello anzuspielen …

Im April wird bei Kairos Jarrels Cassandre (nach Christa Wolff) erscheinen, ein Werk, das inzwischen in sechs Sprachen vorliegt und in der ganzen Welt gespielt wird (im April z. B. in Rom und Zagreb). Unablässig legt die antike Heldin dar, wie unmöglich angesichts der Geschichte Hellsichtigkeit sei: „Du wirst die Wahrheit sagen, aber keiner wird dir glauben.”

Benoît Walther
(Übersetzung: Irene Weber-Froboese)
aus: [t]akte 1/2009

zurück

English switch to english

Zeitg. Musik

Klang gewordene Zerbrochenheit. Ein neues Vokalwerk von Beat Furrer
Auf dem Weg zum schönen Klang. In memoriam Thomas Daniel Schlee
Fundamentale menschliche Erfahrungen. „Earth“ von Andrea Lorenzo Scartazzini
Von den Träumen der Kindheit. Ľubica Čekovskás „Toy Procession“ für Houston
Die Kantate „Weichet nicht!“ und das „Jüdische Gebet“ von Miloslav Kabeláč
Mit geschicktem Gespür für Form. Der englische Komponist Jonny Greenwood
Komplexer Zwölfton und populäre Filmmusik. Der Komponist Winfried Zillig
Tödliche Begegnungen. Miroslav Srnkas neue Oper „Voice Killer“
Transformationen des Klavierklangs. Beat Furrers Klavierkonzert Nr. 2
Von Hölzern und Eidechsenengeln. Beat Furrers Oper „DAS GROSSE FEUER“ für Zürich
„Unerwartet schön“. Die englische Komponistin Cassandra Miller
No templates! Dieter Ammanns Violakonzert für Nils Mönkemeyer
Über den eigenen Tellerrand hinaus. Philipp Maintz ist „Composer in Focus“ in Aachen
Kunst kommt vom Verantworten. Zum 100. Geburtstag Giselher Klebes
Oberflächenspannungen. Die Komponistin Lisa Illean stellt sich vor
ImpressumDatenschutz