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Manfred Trojahns "sentimento del tempo"

Manfred Trojahn, der am 22. Oktober 2009 seinen 60. Geburtstag feierte, hat ein Orchesterwerk für die Bachwoche Ansbach 2009 komponiert. sentimento del tempo wurde in einem Konzert mit dem Freiburger Barockorchester dem 4. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach gegenübergestellt.

Die „Begegnung” einer neuen Komposition Manfred Trojahns mit Bachs 4. Brandenburgischen Konzert evoziert als Erstes die Frage nach der Besetzung, denn die Aufführungspraxis Bachs im letzten Jahrhundert hat eine wechselvolle Geschichte. Lange war die Wahrnehmung des Konzerts, das als Soloinstrumente zwei (Block-)Flöten und eine Violine einem Streichorchester mit Basso continuo gegenüberstellt, durch moderne Instrumente geprägt. „Mein allererster Auftritt in einem Konzert war 1967 in Braunschweig als Flötist in ebendiesem 4. Brandenburgischen Konzert, und ich spielte selbstverständlich eine Querflöte”, erinnert sich Manfred Trojahn. „Schon in den 1980er-Jahren war es dann so, dass die Auffassung dessen, was Originalklang ist, außer-ordentlich persönlich war, und sich der Objektivierung widersetzte. Dies ist letztlich ein – dezidiert ‚moderner’ – Beitrag zur Individualisierung unserer Zeit.” Die Ansbacher Aufführung mit dem Freiburger Barockorchester wird natürlich historische oder alte Instrumente verwenden, die vor allem bei der Intonation klanglich bestimmte Implikationen für die neue Komposition mit sich bringen und für Trojahn als Vorstellung beim Komponieren präsent sind. „Schon bei meinen Ariosi, die von der Camerata Salzburg mit Roger Norrington uraufgeführt wurden, spielte dieser ganz spezielle Klang eine besondere Rolle und war sehr reizvoll für mich.”

Manfred Trojahns sentimento del tempo. musik für violine solo, zwei flöten und streicher. ansbachisches konzert 2009 wird in mehrfacher Hinsicht eine Ergänzung zum spielerischen und konzertanten Gestus von Bachs Konzert bilden. Er lässt explizit eine Besetzung durch Block- oder Querflöten offen. Die Instrumente werden klangfarblich eingesetzt, nicht als konzertierende Soloinstrumente wie bei Bach. „Sie bekommen spezifische Aufgaben, die sie als Bläser in einem Orchesterklang übernehmen, wobei ich dieses Stück als eines für Violine solo, ein individualisiertes Streichorchester und zwei Flöten verstehe. Diese sind eher Orchester- als Solostimmen, es gibt also nicht die Aufteilung in Concertino und Orchester wie bei Bach. Mir ist darüber hinaus sehr wichtig, in diesem Konzert einen Gegensatz zu dem sehr vitalen Stück von Bach zu bilden.” Trojahn komponiert mit sentimento del tempo ein ruhiges einsätziges Stück, das eben nicht spielerische, konzertante Virtuosität ausstellt, sondern die Expressivität in den Vordergrund stellt.                                          

Marie Luise Maintz
aus: [t]akte 1/2009

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