Logo: takte
Das Bärenreiter Magazin
  • Portrait
  • Musiktheater
  • Orchester
  • Zeitg. Musik
  • Gesamtausgaben
  • Publikationen
  • Termine
  • Kontakt

English switch to english

Matthias Pintscher: "she-cholat ahavah ani" und Study IV for Treatise on the Veil

Für das SWR Vokalensemble komponierte Matthias Pintscher "she-cholat ahavah ani", uraufgeführt im Februar 2009 in Stuttgart bei Éclat. Sein neues Streichquartett "Study IV for Treatise on the Veil" wurde im Januar 2009 in Salzburg uraufgeführt.

„Ein absolut verdichtetes Kompendium von fast entgrenzten emotionalen Zuständen“ ist für Matthias Pintscher das „shir ha shirim”, das „Lied der Lieder“, das Hohelied Salomos. „Alle Gesänge erwecken den Eindruck, dass sie keinen Anfang oder kein Ende, keine Mitte haben, sondern es gibt einfach Ausdruckszustände, die in sich kreisen.“ Aus dem fünften Gesang stammt der Text, den Pintscher in seinem A-cappella-Werk für das SWR Vokalensemble komponiert. Jenes she-cholat ahavah ani heißt übersetzt „so krank bin ich vor Liebe“ und umreißt für den Komponisten als Kernsatz das Thema des Liebesgesanges. Auch strukturell eröffnet der berühmte hebräische Text besondere Perspektiven. „Im Hebräischen sind Worte wie Inseln, Energieträger, da alles aus kurzen Wortstämmen abgeleitet wird. Für einen Musiker oder Komponisten ist das eine Chance, tief in die Konnotation der Worte hineingehen zu können, weil man den Fluss, die Wege zwischen den einzelnen Worten, die wie Objekte sind, selber gestalten kann. ”

Jenes Kreisen, Wiederholen und Fortspinnen von Bildern „vom tiefen Abgrund bis zur Verzückung und Entrückung”, das den Text auszeichnet, ist für Pintscher prädestiniert für eine chorische Vertonung, weil sich die Erzählperspektive ständig ändert und ein Spiel mit Farbwechseln evoziert. „Erstens kann man sagen, es ist ein großer Liebesgesang des Hashem, also Gottes, an sein erwähltes Volk Israel, zum anderen ist es auch ein ganz weltliches Liebeslied. Es sind sozusagen Hochzeitscarmina, wobei die Perspektive des Singenden ständig wechselt, mal Mann, mal Frau, mal die Töchter von Jerusalem, so gibt es ständig ein Vexierspiel, von welcher Position gerade gesungen oder gesprochen wird.”

Für die Behandlung der Stimmen realisiert Pintscher einen ausschließlich gesungenen Vokalsatz, ohne phonetisches Aufbrechen des Textes. „Die Abstraktion im Klang versuche ich im Tonsatz selbst zu finden, das heißt hauptsächlich in den Harmonien, im Aussparen, in der Perspektive von verschiedenen Lagen, die ich sehr bewusst einsetze, aber auch in einem sehr kammermusikalischen Tonsatz für den Chor: Wie eine Schrift in einem abstrakten Raum. So stelle ich mir vor, dass dieser Text eine Schrift in dem abstrakten Feld des Tonsatzes ist.”

Die Formelhaftigkeit der Wortinseln des Hebräischen trifft sich mit seinem Interesse an den Übermalungen eines Cy Twombly, dessen gleichnamige Bildfolge Pintscher zum Zyklus treatise on the veil inspirierte, zu dem auch sein neues Streichquartett gehört, das im Januar in Salzburg uraufgeführt wird. Wie Folien liegen die Werke dieses Zyklus übereinander, „als ob ein Maler einen gleichen Zustand mit verschiedenen Techniken immer wieder malt, als ob sich ein Stück aus dem anderen weiterschreibt, aber die gleiche Aussage mit völlig neuen Techniken trägt, mit anderen Materialien, Untergründen, Farben, Medien.”

Marie Luise Maintz
aus: takte 2/2008

 

zurück

English switch to english

Zeitg. Musik

Klang gewordene Zerbrochenheit. Ein neues Vokalwerk von Beat Furrer
Auf dem Weg zum schönen Klang. In memoriam Thomas Daniel Schlee
Fundamentale menschliche Erfahrungen. „Earth“ von Andrea Lorenzo Scartazzini
Von den Träumen der Kindheit. Ľubica Čekovskás „Toy Procession“ für Houston
Die Kantate „Weichet nicht!“ und das „Jüdische Gebet“ von Miloslav Kabeláč
Mit geschicktem Gespür für Form. Der englische Komponist Jonny Greenwood
Komplexer Zwölfton und populäre Filmmusik. Der Komponist Winfried Zillig
Tödliche Begegnungen. Miroslav Srnkas neue Oper „Voice Killer“
Transformationen des Klavierklangs. Beat Furrers Klavierkonzert Nr. 2
Von Hölzern und Eidechsenengeln. Beat Furrers Oper „DAS GROSSE FEUER“ für Zürich
„Unerwartet schön“. Die englische Komponistin Cassandra Miller
No templates! Dieter Ammanns Violakonzert für Nils Mönkemeyer
Über den eigenen Tellerrand hinaus. Philipp Maintz ist „Composer in Focus“ in Aachen
Kunst kommt vom Verantworten. Zum 100. Geburtstag Giselher Klebes
Oberflächenspannungen. Die Komponistin Lisa Illean stellt sich vor
ImpressumDatenschutz