Mit Messages hat der Engländer Jonathan Harvey ein Stück für die Berliner Philharmoniker und den Rundfunkchor Berlin komponiert, das die himmlischen Sphären der Engel mit dem Apparat eines großen Orchesters auslotet.
Von Engeln handeln die Messages, deren Text ausschließlich aus Engelnamen besteht. Das etwa 25-minütige Werk reiht Anrufungsrituale von über hundert geflügelten Boten aneinander, die sich in sieben Himmeln bewegen. „Heaven“ nennt Harvey jedenfalls die sieben ineinander übergehenden Teile seines Stücks, dessen ruhig fließende Metren ausschließlich von der Silbenzahl des jeweils deklamierten Engelnamens abhängen. Diese Ausgangsidee wird von den Chören äußerst differenziert umgesetzt: vom „unhörbar” eintretenden Summen am Beginn über vielstimmiges Flüstern in Wellen, klar zäsurierten Wechselgesang, improvisierte Tempogestaltung bis zum ätherisch gehauchten Pianissimo des Seventh Heaven. Nicht weniger raffiniert ist die Behandlung des großen Orchesters, das von einer Art Concertino (Celesta, Cimbalom und zwei Harfen) angetrieben wird. Auch hier fächert Harvey den Klang auf und verwandelt die Instrumente beispielsweise nach der Anrufung des Erzengels Raphael im Second Heaven in einen großen Flügel, der mit leisen Glissandi, Tremoli und Bläser-Atmen auf- und abrauscht.
Olaf Wilhelmer
aus: takte 2/2008



