In der Musikgeschichte ist Josef Bohuslav Foerster (1859–1951) vor allem durch seine Freundschaft mit Gustav Mahler in ihrer gemeinsamen Hamburger Zeit bekannt. Es entstand ein intensiver künstlerischer Austausch zwischen Mahler und Foerster. Foerster und seine Frau Berta Lautererová wechselten 1903 mit Mahler nach Wien und kehrten erst 1918 nach Prag zurück. In Prag gehörte er als Direktor des Konservatoriums und Universitätslehrer, später als Präsident der Prager Akademie der Künste und mit der Auszeichnung als Nationalkünstler 1945 zu den angesehensten Persönlichkeiten seines Landes.
Ein immenses musikalisches Werk des mehrfach begabten Künstlers harrt der Wiederentdeckung. Nachdem Editio Bärenreiter Praha 2007 die Sinfonien Nr. 1 und 2 neu publiziert hat und diese von den Osnabrücker Sinfonikern aufgeführt und auf CD (MDG, dort auch die Einspielung der 3. und 4. Sinfonie) produziert worden sind, erscheint nun das späte Konzert für Violoncello und Orchester aus dem Jahr 1930, das im Januar bei Supraphon von Jirí Bárta und der Prager Kammer Philharmonie unter der Leitung von Jakub Hrusa eingespielt worden ist.
Foerster gehört mit Janácek, Suk und Novák zu der Generation tschechischer Nationalkünstler, die den Schritt ins 20. Jahrhundert vollzogen. Sein Stil blieb der spätromantischen Musiksprache verpflichtet: groß, melodisch und glänzend in seiner ersten Reife der Jahre zwischen 1890 und 1910, später immer mehr verinnerlicht und lyrisch.
Das Cellokonzert stammt aus dem Jahr 1931. Um einen Mittelsatz des fortwährenden Singens des Solocellos gruppieren sich ein gemäßigter Kopfsatz, der im dunklen Tonfall der Hörner und Posaunen anhebt, und ein tänzerischer Schlusssatz, der zum Ende zur schwelgerischen Kantilene des Beginns zurückkehrt. Während der erste Satz seine Thematik im konzertierenden Miteinander entwickelt, steht im zweiten das Solocello als Gesangsträger ungebrochen im Vordergrund und bildet den intensiv lyrischen Schwerpunkt des Werkes.
Marie Luise Maintz
aus: [t]akte 1/2009



