Logo: takte
Das Bärenreiter Magazin
  • Portrait
  • Musiktheater
  • Orchester
  • Zeitg. Musik
  • Gesamtausgaben
  • Publikationen
  • Termine
  • Kontakt

English switch to english

Werke wie Inseln. Philipp Maintz' Orchesterstück „archipel”

Philipp Maintz hat ein Orchesterstück für seine Heimatstadt Aachen geschrieben. Das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Marcus R. Bosch hat es am 22. Oktober zur Uraufführung gebracht.

In den musikalischen Umkreis seines neuen Opernprojekts Maldoror, das Philipp Maintz für die Biennale München 2010 komponiert, gehört auch archipel. musik für großes orchester. Der Titel ist Formkonzept und inhaltlicher Wegweiser: „Ein Archipel ist eine Inselgruppe, die unter dem Wasser miteinander verbunden ist und deren Höhen herausragen.” Die „unterirdische” Verbindung ist zum einen der Bezug zum musikalischen Material der Oper, das versucht wird „durchzudeklinieren”, ohne es wörtlich vorwegzunehmen: „Um die Oper herum haben sich Stücke gruppiert, die einem offenen Werkbegriff Rechnung tragen.” Zum anderen ist der Begriff Archipel auch eine Beschreibung der Struktur der Komposition, denn Philipp Maintz konzipiert das Stück als eine Gruppierung separater Teile, deren Fluss und Verzweigung durch vertikale Schnitte an der Oberfläche unterbrochen sind. „Das Stück hat mehrere Zentren, die zunächst einmal unverbunden sind, von denen aus Variationen und Ableitungen gebildet werden können.”

In dem Konzept zur Oper Maldoror ergibt sich die Spannung des Stoffs aus einer grundlegenden disparaten Personenkonstellation. Unter dem Pseudonym Lautréamont veröffentlichte der französische Dichter Isidore Lucien Ducasse (1846–1870) seine „Chants de Maldoror”, eines der radikalsten Werke der französischen Literatur. Mit Maldoror schuf er eine Figur als Alter Ego, die das Böse, Zynische, Destruktive in Reinform verkörpert, um letztlich eine Klage gegen die Schlechtigkeit der Welt zu führen. In ihrem Opernszenario lassen Philipp Maintz und sein Librettist Thomas Fiedler beide Figuren einander vermischen und entwickeln den Versuch eines Psychogramms Lautréamonts, durchkreuzt mit den Schandtaten des Maldoror, wobei vor allem der Dichter als schillernder, abgründiger, schizophrener Charakter im Vordergrund steht, denn er erschafft jene Figur des Bösen, die ihn schließlich tötet. Gegenkonzept dazu ist der reflektierende Gesang einer weiblichen Figur, einer Art Mutter Erde: „Gleich einer Repräsentanz der Unvergänglichkeit ist sie womöglich der einzige Halt in einer grausamen und gottlosen Welt, in der ein triumphierender Maldoror mit verheerender Konsequenz waltet.” (Thomas Fiedler). In seiner Komposition océan für Sopran, großes Ensemble und Live-Elektronik, die im Januar 2008 in Paris vom Ensemble Intercontemporain uraufgeführt wurde, verwies Philipp Maintz schon auf  diese Frau, die er als „eine Mischung aus Kassandra und Königin der Nacht” imaginiert.

Der musikalische Duktus des fließenden und dramatisch ausschlagenden Gesangs wird für Philipp Maintz zu einem stilistischen Mittel auch der Orchesterkomposition. „Das Komponieren für Stimme hat mein bisheriges Vorgehen, bei der Komposition vorrangig mit Rechenoperationen und Algorithmen zu arbeiten, teilweise aufgelöst. Ich komponiere freier und intuitiver, um mich auf diese Weise in Atmosphäre, Sprachduktus und die Farbe der Oper hineinzuarbeiten. Dabei war archipel als Titel eine spontane Idee, die mir gut gefiel, um die Konstruktion des Orchesterstücks zu beschreiben. Dieser Vorgang ist vielleicht reziprok zu meinem früheren Orchesterwerk heftige landschaft mit 16 bäumen, bei dem ich sehr früh wusste, wie eine Musik zu diesem Titel zu klingen hat.” Die Eigenschaften von archipel sieht Philipp Maintz vor allem in einer kammermusikalischen Differenzierung des musikalischen Satzes in Partien, die zwischen größeren Höhepunkten „immer wieder das ganze Orchester zusammenstürzen lassen, bis einzelne Geräusche übrig bleiben.”

Marie Luise Maintz

zurück

English switch to english

Orchester

„Ein Meisterwerk, aber kein Ballett“. Maurice Ravels „La Valse“ neu ediert
Beethoven bei Bärenreiter. Erfolgsgeschichte seit dreißig Jahren
Kaum bekannte Händel-Anthems
Eindringlich und verdichtet. Zur Neuedition von Franz Schuberts Messe in G
Neue Tiefe und Lebendigkeit. Orchestrierung von Dvořáks „Zigeunermelodien“
Große Meister für junges Publikum. Bühnenwerke für Kinder und Jugendliche
Fundamentale menschliche Erfahrungen. „Earth“ von Andrea Lorenzo Scartazzini
Von den Träumen der Kindheit. Ľubica Čekovskás „Toy Procession“ für Houston
Camille Saint-Saëns’ „Grande symphonie triomphale“
Glucks Ballettmusik zu „L’Île de Merlin“
Bruckner-Raritäten. Weitere Bände in der Gesamtausgabe
„Ich fürchte kein Unheil …“. Zwei Orchesterwerke von Josef Suk
Ein Doppelkonzert von Camille Saint-Saëns!? Zur Neuausgabe seines Septetts
Transformationen des Klavierklangs. Beat Furrers Klavierkonzert Nr. 2
No templates! Dieter Ammanns Violakonzert für Nils Mönkemeyer
ImpressumDatenschutz