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Drei Wasser mit Schatten. Charlotte Seithers Komposition für Milano Musica

Charlotte Seither – aktuell

Fotos: Charlotte Seither (Marko Bussemann); john_coffee / photocase.com

Mit dem Kammermusikstück Tre acque con ombre für fünf Instrumente hat Charlotte Seither einen Beitrag zum renommierten Festival „Milano Musica“ 2013 geschaffen. Klangfantasie und Brillanz sind dabei von den Solisten gefragt.

Für das Festival „Milano Musica“ hat Charlotte Seither das Ensemblewerk Tre acque con ombre komponiert. Drei Streicher sowie Bassklarinette und Klavier bilden eine Dreieckskonstellation, in der Horizontale und Vertikale spannungsvoll aufeinandertreffen. Violine, Bratsche und Violoncello fokussieren eine lineare Bewegung, erzeugen ein horizontales Fließen, das immer wieder ausbricht und dabei von Bassklarinette und Klavier perforiert wird. Diese haben mit markigen Gesten eine perkussive Funktion, erzeugen Interpunktionen und eine Kontur wie ein Wellenspiel über dem Fließen. Seither: „Jedes Instrument ist in sich autonom in der Polyphonie der Instrumente. Trotzdem baut sich in den Gruppen ein Gefüge aus zwei zu drei Stimmen auf. Darin gehören die Streicher in ihrer Offenheit und Bloßheit zueinander, hingegen sind Bassklarinette und Klavier in einem Nicht-Sprechen-Können stärker fragmentiert und betreiben eine Auflösung der Komplettpolyphonie. Die Streicher spielen mitunter stark aufgeladene Glissandi, die ich mag, weil jedes Glissando in der Ausführung die Möglichkeit einer schier unendlichen Psychologie eröffnet. In sprachnahen Glissandi, die individualisiert gespielt werden, hat jeder Moment eine andere Geschwindigkeit und innere Haltung, jedes wird zu einer sprachlichen Geste, hat eine Bedeutung, die ich erkennen kann: Negation, Befehl oder Verweigerung. Dies habe ich bisher noch nie so zum Thema gemacht. Spielerisch geht es um die körperliche Geste, mit der ein Glissando vollzogen wird.“

Tre acque con ombre ist ein virtuoses und kräftiges Stück, das viel Spielerfantasie verlangt. „Alle Figuren erfordern Klangfantasie, mit der permanent Brillanz, Reichtum und Tongestalt erzeugt werden. Das Stück verlangt, dass die Musiker es sich intensiv aneignen.“ Der offen imaginative Titel lädt dazu ein.

Marie Luise Maintz
(aus [t]akte 2/2013)

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