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Neue Bücher Frühjahr 2026

Laurenz Lütteken: Aufgehobene Revolution. Annäherungen an Richard Wagners „Ring“. Bärenreiter/J.B. Metzler 2026. BVK04085. 129 Seiten. € 29,99.

Der „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner ist auch 150 Jahre nach der Uraufführung des gesamten Zyklus eine Herausforderung. Dieser Band lädt ein, sich auf das Werk aus neuen Perspektiven einzulassen. Neben Texten zum „Ring“ finden sich weitere zu Wagners ideologischem Standort, zur Rolle von Goethes Weltendrama „Faust“, zu Religion und Utopie sowie zu Fragen der Existenz im Exil. Es handelt sich um pointierte Essays, in denen Wagners Prägung durch Vormärz und Revolution im Zentrum steht, nicht so sehr der später behauptete, jedoch nicht wirklich belegbare „Bruch“ zwischen frühem und spätem Wagner. Vielmehr wird zur Überbrückung der Distanz zwischen Revolution, Scheitern und Utopie Hegels Denkfigur der „Aufhebung“ herangezogen. Dabei liegt der Fokus stets auf Wagners umfassendem Musikbegriff und dessen Bedeutung für die konkrete Beschaffenheit der Partituren.

Reinhard Strohm: Oper in Bewegung. Europäisches Musiktheater vom Barock zur Romantik. Bärenreiter/J.B. Metzler 2025. BVK04055. 319 Seiten. € 49,99. – „Buch des Monats“ der Zeitschrift „Opernwelt“ März 2026

Oper ist elementar mit Bewegung verbunden: in der dramatischen Entwicklung der Handlung, in der Darstellung auf der Bühne, in der Wanderung der Sujets genauso wie der Operntruppen. Als Gattung wandelte sich die Oper ständig, oft durch kulturelle Krisen hindurch. Reinhard Strohm macht in seinem Buch neue Aspekte bekannter Werke sichtbar und spürt auch unbekannte Opern vom Barock bis zur Romantik auf. Er bringt die Leser an Schauplätze von Ankara bis Schottland und an Aufführungsorte von Neapel bis Warschau, macht sie mit Helden und Primadonnen bekannt, erklärt die vielfältigen kulturellen Kontexte und Vorgeschichten. Diese Entdeckungsreisen führen zu über 20 Opern von Monteverdi bis Donizetti, mit Besuchen unter anderem bei Purcell, Vivaldi, Händel, Mozart und Rossini. Exkursionen gelten auch Lorenzo Da Ponte, Goethe, Verdi, Wagner und sogar Bertolt Brecht. Darüber hinaus werden zentrale Themen wie Arie und Rezitativ, Frauenbilder und Opernübersetzungen eigens beleuchtet.

Markus Poschner und Jan David Schmitz: Bruckner-Befragungen. Gespräche über die Elf Sinfonien. Bärenreiter-Verlag/Verlag J.B. Metzler 2026. BVK04046. 280 Seiten. € 29,99.

Anton Bruckner ist noch immer „der große Unbekannte“ (Hans-Joachim Hinrichsen) unter den Komponisten des 19. Jahrhunderts. Das gilt sowohl für das durch Anekdoten und Klischees verzerrte Bild und auch für sein kompositorisches Schaffen. Bruckner selbst maß seinen Sinfonien die größte Bedeutung bei. Heute gelten seine Gattungsbeiträge unbestritten als Gipfelwerke des „langen Jahrhunderts der Sinfonie“. Der Dirigent Markus Poschner und der Musikmanager Jan David Schmitz nähern sich den elf Sinfonien auf dem Wege eines unterhaltsamen, für Musikinteressierte gut verständlichen Dialoges zwischen Theorie und Praxis und werfen einen von Vorurteilen möglichst freien Blick auf den Komponisten und sein Werk.

Martin Zenck: Stille und Gewalt. Die Musik von Wolfgang Rihm. J.B. Metzler/Bärenreiter 2025. BVK04045. IX, 366 Seiten. € 49,99.

Martin Zenck porträtiert den 2024 verstorbenen Wolfgang Rihm als einen kosmopolitischen Komponisten, der kompromisslos auf der Welthaftigkeit der Musik und auf der Freiheit des Komponierens besteht. Er legt eine breite Darstellung von Rihms Œuvre vor: der Lieder, der Instrumentalmusik, des sakralen Werks sowie des zentralen „Nietzsche-Komplexes“ und vor allem des Musiktheaters. Der Autor findet seinen eigenen methodischen Ansatz, indem es zwar der Selbstinterpretation des Komponisten Raum gibt, auf der anderen Seite aber für Rihms Werk neue Horizonte des Verstehens eröffnet. Dazu dienen theater- und literaturwissenschaftliche Perspektiven, philosophische und produktionsästhetische Zugänge sowie die musikalische Analyse und die Untersuchung von Aufführungen und Aufnahmen. Im Zentrum des Buches steht der Dialog zwischen dem Komponisten und seinem Interpreten Martin Zenck: die Suche nach Bedeutungsdimensionen innerhalb der Rezeption, nach einem „Sinnüberschuss“ gemäß Rihms Maxime, dass „das Werk immer mehr weiß als der Autor“.

Peter Gülke: Menschen. Zeiten. Musik. Bärenreiter/J.B. Metzler. BVK04066. 300 Seiten. € 39,99.

Was bleibt? Peter Gülke fasst die Fülle seines Lebens als Schriftsteller, Musiker, Musikwissenschaftler und als politisch denkender Zeitgenosse in pointierten Betrachtungen zusammen. Als kritischer Zeuge eines ganzen Jahrhunderts nimmt er die Leser mit ins Gewimmel kultureller und gesellschaftlicher Entwicklungen, lässt sie aber in gewohnt dichter und sprachlich virtuoser Form auch an seinen Erfahrungen und Erkenntnissen im Umgang mit Musik, Literatur und Kunst teilhaben. Sein schonungsloser Bericht über das eigene Altern und den Tod wichtiger Menschen zeugt von großer Aufrichtigkeit. Peter Gülke entwirft ein Mosaik aus musikalischen Werkporträts, Erinnerungen an bedeutende Musiker und Weggefährten, Schilderungen persönlicher Erfahrungen aus der Nazi- und Kriegszeit sowie aus den Jahren in der DDR und später der BRD, Gedanken über Literatur und Bildende Kunst und nicht zuletzt die Conditio humana.

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Publikationen

Über alles? Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis“ als Faksimile
Bayreuth als Theater. Stephan Mösch über die Geschichte der Festspiele
Neue Bücher Herbst 2025
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Neue Bücher 2024/2025
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Mozarts Requiem neu denken. Michael Ostrzyga über seine Vervollständigung
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Neue Bücher Herbst 2019
Ein ganz Großer tritt ab: Bernard Haitink
Arien eines Revolutionärs. Eine Reihe mit Glucks Arien aus französischen Opern
MGG Online. Die MGG als dynamische Datenbank
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